Um den Finger gewickelt!

27.04.2021

Hagen war ein absolutes Erlebnis – mit ganz vielen wunderbaren Gänsehautmomenten und mit Momenten, die typisch sind für junge Pferde, aber eben in genau dem Augenblick auch ein bisschen schade…
Eins vorab: Ich schwebe ja sowieso permanent auf Wolke 7, weil ich so tolle Nachwuchspferde habe. Die beiden ‚Vitalisse‘ haben diese ‚Schwebefahrt‘ in Hagen noch einmal ein paar Wolkenstufen höher steigen lassen. Sie sind einfach klasse!!!

Valesco – hinsetzen und GP-Feeling genießen ©LL-Foto

Valesco hat mich am ersten Tag wirklich verblüfft. Er war beim Abreiten so unkonzentriert, richtig ein bisschen von der Rolle, dass ich meine Mutter gefragt habe, ob ich überhaupt einreiten soll. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Unglaublich wie er sich dann im Viereck zusammengerissen hat, das habe ich ihm sehr hoch angerechnet. Natürlich war noch einiges ein bisschen ‚babyhaft‘ und ich bin ganz sicher noch mit angezogener Handbremse geritten, aber er hatte auch viele tolle Sachen in der Prüfung. Schade war der Fehler in den Einerwechseln, der geht wohl auf meine Kappe. Am Ende haben wir noch 72,158 Prozent bekommen, drei der Richter lagen sogar über 73 Prozent. Das zeigt mir einfach, wie sehr er im Viereck überzeugt.
An Tag zwei ist er schon deutlich mehr in Hagen angekommen, war beim Abreiten viel konzentrierter und hat eine Prüfung mit ganz tollen Höhepunkten gezeigt: super engagiert in Piaffe und Passage, tolle Pirouetten und in den Verstärkungen ging er so los, das ich definitiv noch bremsen musste. In der Trabverstärkung hat er sich leider einmal selbst getreten – das war richtig laut – und ist dadurch aus dem Rhythmus gekommen, das war wieder so ein Schade-Moment. Besonders schade, weil wir am Ende um weniger als zwei Zehntelprozent ein Finalticket für den Louisdor-Preis verpasst haben: Platz drei mit 72,465 Prozent. Ich bin so mega glücklich mit ihm. Er ist wieder ein Stück erwachsener geworden, gereifter und hat mir ein Gefühl gegeben, dass ich in diesem Maß bisher eher von Valencia kannte: Nur hinsetzen und spüren, dass er mal ein geniales Grand Prix-Pferd wird!

Valencia in Hagen – inniger Moment ©Johanna Milse

Der Samstag mit Valencia: Sie gibt mir immer ein tolles Gefühl in Piaffe und Passage, aber in dieser Prüfung war das der Oberhammer! So hatte ich es noch nie zuvor. Auf der Schlusslinie haben wir unsere erste 10 bekommen! Auch Valencia war schon beim Abreiten richtig ‚an‘. Daraufhin habe ich den Fehler gemacht, dass ich in der Prüfung etwas zu vorsichtig geritten bin und ihr dadurch vielleicht nicht die allerletzte Sicherheit gegeben habe. Einen Fehler hatten wir in den Einerwechseln und einen beim Wechsel im Mittelgalopp, trotzdem hatten wir noch 73,026 Prozent und waren Dritte. Am Sonntag war Valencia ein kleines bisschen müde und wir hatten ein größeres Missverständnis bei der Piaffe vorne am Eingang. Ich habe die Parade für die Piaffe gegeben und sie hat gedacht, sie soll Schritt gehen. Noch so ein typisch junges Pferd-Moment, den man ihr unmöglich übel nehmen kann.
Es war für beide ein wirklich anstrengendes Wochenende: die Stallzelte waren offen, was eigentlich super ist, weil man nicht immer durch die Stallgasse muss. Aber für die Pferde gibt es einfach viel zu sehen und Valencia hat jeden angewiehert, der vorbei kam. Das ganze Turniergeschehen mit Übernachtung müssen die beiden natürlich noch besser kennenlernen und sich dabei noch mehr entspannen.
Fazit: Meine Vitalisse haben mich am Wochenende einmal mehr um den Finger gewickelt, aber nicht nur mich. Es war unglaublich, wie viele Menschen mich auf die beiden angesprochen haben, sich mit mir über diese tollen Nachwuchspferde gefreut haben. Das war richtig schön!
Und den Louisdor-Preis haben wir weiter im Blick :-)